Oberer Totpunkt — Furcht song lyrics and translation
The page contains the lyrics and English translation of the song "Furcht" by Oberer Totpunkt.
Lyrics
Als Kind fürchtete sie sich vor der Dunkelheit. Sobald ihre Mutter das
Zimmer verließ, kamen die Gespenster hervor. Die saßen im Dunkeln unter der
Couch, unter den Sesseln, unter Schränken. Und sie wohnten unter ihrem Bett.
Sie lauerten nur auf eine Gelegenheit, sie anzugreifen. Gesehen hat sie sie
nie. Doch sie wusste genau, dass sie dort waren
Als sie ungefähr fünfzehn war, fürchtete sie sich vor einigen Lehrern,
auch vor einigen Mitschülern. Aber was sie am meisten fürchtete, das war:
nicht
Beliebt zu sein. Nicht liebenswert zu sein. Sie stellte sich immer vor,
dass ihre Mitschülerinnen eine geheime Liste führten, auf der sie vermerkten,
wie viele Freundinnen sie hatte, wie viele Verehrer, wie viele Verabredungen.
Gesehen hat sie so eine Liste nie. Aber sie ahnte, dass es sie gab
Mit fünfundzwanzig fürchtete sie, im Studium zu versagen oder so schlecht
abzuschneiden, dass ihr der Einstieg ins Berufsleben verwehrt blieb.
Sie fürchtete sich auch davor, dass kein Mann sie attraktiv finden könnte,
dass niemand sie lieben würde. Diese Sorge war so groß, dass sie ihren
Vorbildern nachzueifern trachtete — Stars, Models. Sie vermutete,
dass Männer klare Vorstellungen hatten darüber, wie eine Frau sein müsste.
Und sie versuchte, diesen Vorstellungen zu genügen
Später, sie war etwa fünfunddreißig, fürchtete sie sich davor, im Beruf zu
versagen, Fehler zu machen, nicht genug Erfolge zu erzielen. Diese Furcht wuchs,
obwohl sie viel leistete. Es schien ihr selbst nie genug zu sein.
Um dem Druck standhalten zu können, griff sie nach Tabletten — damit sie
schlafen konnte und damit sie wach wurde. Sie glaubte, ihr Chef erwartete von
ihr, dass sie niemals in ihrem Eifer nachließ. Bei all dem fürchtete sie
darüber hinaus, als Mann-Weib verschrien zu sein, wenn sie ihre Weiblichkeit
vernachlässigte. Und so strengte sie sich an, diesem Vorurteil keine Nahrung zu
geben
Mit fünfundvierzig fürchtete sie, dass ihre Ehe scheitern, dass ihr Mann sie
verlassen könnte. Sie hatte so viel Energie in ihren Beruf investiert und sich
zu wenig um ihr Privatleben gekümmert. Sie fürchtete auch, nicht mehr attraktiv
genug für ihn zu sein. Ihre Mutter hatte ihr eingebläut, eine Frau müsse
attraktiv sein, um geliebt zu werden. Sie akzeptierte, dass für Frauen andere
Maßstäbe galten
Die Furcht, dass ihrem Sohn etwas zustoßen, dass er nicht glücklich sein könnte,
lähmte sie mit Mitte fünfzig. Kein Tag verging, an dem sie sich nicht sorgte.
Sie bemühte sich, beim Wettbewerb mit den anderen Müttern gut abzuschneiden —
das erfolgreich abgeschlossene Studium ihres Sohnes, seine hervorragenden
Berufsaussichten, seine privaten Erfolge und: die Häufigkeit seiner Besuche und
Anrufe bei ihr. Sie fürchtete, wenn sie mit den anderen nicht mithalten könnte,
würden die sie für eine schlechte Mutter halten
Vor dem Verlust ihrer Gesundheit, ihrer Fähigkeiten, fürchtete sie sich in
ihren Siebzigern. Sie ängstigte sich davor, dass ihr Mann sie verlassen könnte,
wenn sie pflegebedürftig wäre. Und sie fürchtete, dass sie ihren Mann eines
Tages würde pflegen müssen
Später, sie war weit über achtzig, fürchtete sie sich davor, ihren Mann
Durch den Tod zu verlieren. Viele Freunde waren schon gegangen. Aber — was sie
am meisten fürchtete war, selbst als letzte zu sterben
Den Tod fürchtete sie nicht
Lyrics translation
As a child, she was afraid of the dark. As soon as your mother
Leaving the room, the ghosts came forth. They sat in the dark under the
Couch, under the armchairs, under cabinets. And they lived under her bed.
They were just waiting for an opportunity to attack them. She has seen them
never. But she knew exactly that they were there
When she was about fifteen, she was afraid of some teachers,
also in front of some classmates. But what she feared most was that:
not
To be popular. Not to be adorable. She always introduced herself,
that her classmates kept a secret list on which they noted,
how many girlfriends she had, how many admirers, how many dates.
She has never seen such a list. But she guessed that she existed
At twenty-five she feared to fail in her studies or so badly
that she was denied entry into working life.
She was also afraid that no man could find her attractive,
that no one would love her. This concern was so great that they
Imitating role models - Stars, Models. She suspected,
that men had clear ideas about what a woman should be like.
And she tried to satisfy these ideas
Later, she was about thirty-five, she was afraid of being in the profession too
failure to make mistakes, not to achieve enough success. This fear grew,
although she did a lot. It never seemed enough to her.
In order to withstand the pressure, she reached for tablets — so that she could
she was able to sleep and wake up. She believed her boss was expecting from
her that she never slackened in her zeal. With all this she feared
in addition, to be screamed as a man-woman when your femininity
neglect. And so she made every effort not to feed this prejudice
give
At forty-five she feared that her marriage would fail, that her husband would
could leave. She had invested so much energy in her profession and
too little attention to your private life. She also feared no longer attractive
enough for him to be. Her mother had told her that a woman must
be attractive, to be loved. She accepted that for women other
Standards were
The fear that something will happen to your son, that he might not be happy,
paralyzed her in her mid-fifties. Not a day passed that she did not care.
She tried to do well in the competition with the other mothers —
the successfully completed studies of your son, his outstanding
Job prospects, his private successes, and the frequency of his visits, and
Calls to her. She feared if she could not keep up with the others,
would they consider her a bad mother
Before the loss of her health, her abilities, she was afraid in
their seventies. She was afraid that her husband might leave her,
if she were in need of care. And she was afraid that she would give her husband a
Day would have to maintain
Later, she was well over eighty, she was afraid of her husband
To lose by death. Many friends had already left. But — what you
the most feared was to be the last to die
She did not fear death